POLOSPOR7

    Deutsche Meisterschaft in der Hauptstadt

    Die erste Welle der Meisterpartys in  Erftstadt (Liblar), Göttingen, Bergheim (Pirat) und Berlin (Havelbrüder) ist vorüber und das nächste Highlight steht bereits vor der Tür: die Europameisterschaft in Madrid. Aller höchste Zeit für einen Rückblick auf die Ergebnisse und wichtigsten Ereignisse in Grünau.

    Spielfeld 1: WSF Liblar vs. 1. Meidericher KC

    Glückwünsche

    Bevor im großen Überblick und mancher Orts en Detail über die 41. Deutsche Meisterschaft im Kanupolo berichtet wird, genießt eins absoluten Vorrang. Glückwünsche an die Meister, Sieger und Aufsteiger. Insbesondere an das Team aus Liblar, das sich im Finale wieder als fairer Gegner präsentierte. Besonderes Lob an dieser Stelle für den guten Zug am Taktikbrett. Die clevere Veränderung der Abwehr (mehr Masse) hat sicher seinen Teil zum Sieg beigetragen.

    Die Organisation

    Nun alles der Reihe nach. Die Organisation des gesamten Turniers war gut aber an manchen Stellen (stark) verbesserungsfähig. Allen voran die katastrophalen Linien. Trotz Briefing zur Obleutebesprechung wussten die wenigsten Schieds- und Linienrichter wann der Ball denn nun im Aus ist. Und überhaupt: Selbst wenn man sich auf die schwimmende Leine, die mal ein Meter vor und mal ein Meter hinter dem Toraus lag, oder auf die gedachte, verlängerte Auslinie des Tores geeinigt hatte, sind ordentliche Linien und nicht drehende Tore ein Muss. Zugegeben: Die wenigsten Spieler haben sich etwas anmerken lassen und Tore aus theoretisch unmöglichen Winkeln hingenommen (da das Tor sich einfach zum Spieler auf der Grundlinie drehte). Die Kommentare am Rand waren jedoch berechtigt und mehr als verständlich. Aus persönlicher Sicht müssten auch die Tore nicht nur besser befestigt sondern vollkommen ausgetauscht werden. Nicht, dass sie zu hoch oder zu flach gewesen wären, sondern das Ausbleiben einer metallernen-akustischen Belohnung für einen gutplatzierten Wurf an den Innenpfosten, wird nicht nur mich (sondern auch die anderen Spieler, die auf „Gusser-Tore“ trainieren) traurig gestimmt haben.

    Eins muss man dem Organisationsteam meines Vereins (KCNW Berlin) allerdings lassen. Verpflegung von vielen Menschen haben sie verstanden. Auch wenn ich mir weniger Fokus auf das leibliche Wohl und mehr Innovation in der übrigen Turnierorganisation gewünscht hätte.

    Herren Bundesliga – Play-Offs und Abstiegsrunde

    Zurück zum Sport und zu einem Schnelldurchlauf durch die Play-Off-Runde der Kanupolo Bundesliga. Wenn man mir eine weite Auslegung zum Viertelfinalduell zwischen dem 1. Meidericher KC und den Wassersportfreunden Liblar zugesteht („Die Entscheidung fällt erst im dritten Spiel.“), lag ich mit allen Tipps richtig. Leider auch mit der offenen Formulierung zu meinen Trainingspartnern vom VK Berlin. Die trotz solider Leistung zu den Spieltagen immer verkrampften und bereits gewonnene Spiele aus der Hand gaben, sobald es um die Wurst ging.

    Im Gegensatz zu den Gerüchten des vierten Spieltages, stieg nur Niklas Reimers für die abstiegsbedrohten Aufsteiger vom Bodensee ins Boot. Trotzdem reicht die spielerische Verstärkung, um auch in der kommenden Saison erstklassig unterwegs zu sein. Stimmen, die in der Rekrutierung zum Abstiegskampf eine „Verzerrung des sportlichen Wettbewerbs“ sehen, sei  Zweierlei entgegengehalten. Zum einen die im europäischen Vergleich ultra-strengen Regelungen in den Wettkampfbestimmungen, die einen Doppelstart in der Bundesliga unter allen Umständen ausschließen. Und zum anderen die Möglichkeit aller Mannschaften sich im Pool der Ehemaligen zu bedienen. Klar steht mitunter die Leistung der Play-Offs in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen der Vorrunde. Aber wen stört es wirklich? Die Benachteiligten, die nicht bereit sind spielerische Defizite zu erkennen und entweder durch Verbesserung der eigenen Leistung oder eben durch „Zukauf“ zu verbessern? Am Ende gewinnt der Sport durch gestiegene Leistung. Nur dann sind auch die Teams „oben“ gezwungen weiterhin alles zu geben. Der Hinweis, dass die Verstärkung ja nur temporär (für das eine Turnier) sein könnte, lass ich ebenso wenig gelten. Konsequent weiter gedacht, hätte dies nämlich zur Folge, dass wir lieber den Sport auf dem bekannten Level lassen, als wenigstens mal kurzfristig besseren Polosport zu sehen.

    Abschließend noch die Ergebnisse der Play-Downs in Kurzform: der WSV Quakenbrück steigt nach desaströser Vorrunde als zwölfter und letzter der Bundesliga Saison 2011 ab. Das zweite Team aus der Hauptstadt, der VK Berlin, folgt den Niedersachsen in die zweite Leistungsklasse und hat nach der Rund-E-Mail zur Bundesligavollversammlung nur schlechte Aussichten zum wiederholten Male am grünen Tisch (durch Absagen) die erste Klasse zu halten. Der Rasensportverein aus Hannover profitierte in den Play-Downs eindeutig von der Zurückhaltung ihres Trainers. Die Jungen Wilden (und dem ex-Nationalspieler Holger Weinreich, der stets besser spielte als ich es erwartete…) präsentierten sich in der Abstiegsrunde souverän und werden verdient neunter. KC Radolfzell schlägt den Verein für Kanusport Berlin im alles entscheidenden „Überkreuz-Spiel“ trotz 4:1 Führung der Berliner zur Halbzeit. Auch wenn der Sieg des Teams vom Bodensee sicherlich durch Schusseligkeiten ihres Gegners begünstigt war, berechtigt allein der Kampfeswille die verlorene Partie noch zu drehen, nächstes Jahr in der Bundesliga unterwegs sein zu dürfen. Des Weiteren ließen die Radolfzeller verlauten, dass Niklas Reimers nächstes Jahr unter Flagge der Baadener für Tore und Punkte kämpfen wird. Mal schauen was dran ist.

    Die Play-Offs – das Ziel eines jeden Teams mit Titelambitionen. Diese musste der Göttinger PC bereits nach dem Viertelfinale auf die kommende Saison verschieben. Trotz „Verstärkung“ durch den landesweit bekannten Dänen Asger Sondberg und der Rückkehr von langarm Nils Hildebrandt scheiterten die Göttinger an der guten Mannschaftsleistung der Hamburger. Sie ließen dem Team aus der Hansestadt stets zu viele Spielanteile, was auch mein Verein in einer Partie des Halbfinals schmerzlich erfahren musste.

    Wie zu Beginn angedeutet, setzte sich das Team aus Liblar in drei Spielen gegen den 1. Meidericher KC durch. Das Patchwork-Team rund um Björn Zirotzki (Spielertrainer der Nationalmannschaft) zeigte sich durch Manndeckung der Erftstädter unbeeindruckt und zwang diese zu Verschnaufpausen mit klassischer Abwehr. Am Ende ereilt den Duisburgern nach der Vizemeisterschaft im letzten Jahr das gleiche Schicksal wie Rothe Mühle. Nachdem sie in der Serie der Finalspiele dem KCNW unterlagen, reichte es in der folgenden Saison nur für den 7. Platz.

    Damit sind wir direkt bei der im Vorfeld mit Spannung erwarteten Begegnung zwischen KC Wetter und Rothe Mühle Essen. Während das Duell der beiden ungleichen Mannschaften im letzten Jahr zum Stolperstein für den Verein mit dem größten Polo-Budget werden sollte, zogen sie aus der Saison 2010 ihre Lehren. Sie verzichteten auf den Engländer Alan Vessey (aus persönlicher Sicht ein herber Verlust, ich mag seinen fairen und filigranen Spielstil sehr) und setzten stattdessen auf Spieler aus ihren eigenen Reihen. Und auf Bastian Prekel. Er verließ die Göttinger nach der letzten Saison mit der (gemunkelten) Begründung „auch mal Deutscher Meister werden zu wollen“. Dass es damit nicht geklappt hat, ist bekannt. Trotzdem passt er mit seiner auf körperliche Präsenz ausgelegten Spielweise besser zu den Essenern als der hagere Alan. Ebenfalls nicht mehr im Aufgebot der Spieler: Michael Konrad. Trotzdem sahen wir ihn zur Deutschen Meisterschaft nicht nur am Rand als Trainer, sondern auch auf dem Wasser für die zweite Mannschaft von KRM Essen. Es wurde aber nicht nur die Aufstellung verändert, sondern auch die Fehler des letztjährigen Viertelfinals vermieden. Einfach ausgedrückt: keine unnötigen Freiwürfe unter dem Essener Tor. Denn diese wurden im letzten Jahr so stark vom Wetteraner Sören Kraemer ausgeführt, dass er die Mühlen quasi (mit Hilfe einer soliden Abwehr- und einer guten Torwartleistung) im Alleingang schlug. Genug der Worte zum letzten Jahr. Essen stellte nicht nur clever um und vermied Fehler, sondern die Wetteraner waren eindeutig zu schwach im Torabschluss. Am Ende gewinnt Rothe Mühle verdient in zwei Spielansetzungen und zieht ins Halbfinale ein.

    Das letzte Viertelfinale zwischen dem zweiten Essener Team – den Wanderfalken – und meiner Mannschaft (KCNW Berlin) war eine klare Angelegenheit – zumindest gefühlt. Obwohl wir uns im ersten Spiel bedächtig präsentierten und spielerische Überlegenheit nicht vollends erkennbar gewesen ist, tendierten die Siegeschancen der Falken auch in der ersten Partie gegen Null. Mit dem ersten Sieg in der Tasche wurde in der zweiten Partie freier aufgespielt und die jungen Falken, die bis auf den zur Deutschen Meisterschaft eingesprungenen Sven Spenner ganz auf den Nachwuchs setzten, deutlich mit 6 zu 1 geschlagen.

    Die Halbfinalspiele. Sowohl KRM Essen gegen WSF Liblar als auch BWS Hamburg gegen KCNW Berlin sollten ihre spannenden Momente haben. Jede Begegnung auf ihre Art. Während Rothe Mühle die erste Spielansetzung im wahrsten Sinne des Wortes vertändelte, unterschätzten die Berliner den Siegeswillen von BWS Hamburg im zweiten Spiel.

    Die Mühlen begannen in der ersten Partie der Serie stark, führten 4:0 zur Halbzeit und kämpften in Durchgang zwei mehr mit dem Schlendrian in den eigenen Reihen als ihren Gegnern in den pinken Westen. Das selbst von „Polo-Experte“ Matthias Berner verloren geglaubte Spiel sollte noch zum Krimi werden, der erst im Penaltywerfen entschieden wurde. Und zwar durch Liblar. Nach dem Schock des unnötig verlorenen Spiels finden die Mühlen nicht zurück auf die Siegesstraße. Auch die zweite Begegnung gewinnt Liblar und zieht ins Endspiel ein.

    KCNW Berlin startete nach dem souveränen Sieg im zweiten Viertelfinalspiel mit Rückenwind ins Halbfinale und gewinnt Durchgang Nr. 1 direkt mit 4 zu 2 Toren. Leider glaubten wir uns zu diesem Zeitpunkt bereits im Finale und die zweite Spielansetzung des Modus Best-Of-3 wurde direkt mit einer frühen Führung der Hamburger quittiert. Auch hier fanden wir (wie Trophy Kids) auf keinen grünen Zweig und das dritte Spiel musste die Entscheidung bringen. Besonnen auf das hochgesteckte Mindestsaisonziel – Qualifikation für die European Club Championships – besiegten wir die Hamburger durch gute Mannschaftsleistung und qualifizierten uns ebenfalls für das Finale.

    Im Spiel um Platz 3 hatten die Essener nach dem desaströsen Ergebnis des letzten Jahres eindeutig die größere Motivation für ein versöhnliches Saisonende zu sorgen. Nachdem die erste Spielansetzung nach zwei gelben Karten und einem dümmlichen Wechselfehler während der Zweimannunterzahl abgebrochen werden musste (es konnten keine drei Spieler mehr gestellt werden), gewinnen die Mühlen auch das zweite Spiel. Am Ende bleibt Platz 3 – ein solides Ergebnis. Auch wenn aus Essener Sicht der Finaleinzug sicherlich auf dem Fahrplan stand.

    Eh es jetzt zum Spiel der Spiele, dem Finale um die Deutsche Meisterschaft 2011, geht, ein Blick auf die weiteren Platzierungsspiele.

    Duisburg landet gegen die Wanderfalken im Spiel um Platz 7 und sorgt für eine witzige Gesetzmäßigkeit. Verliert man gegen KCNW Berlin ein Finale (die Berliner haben auch nur zweimal gewonnen), reicht es in der kommenden Saison nur für den siebten Rang.

    Die ungeschlossen auftretenden Göttinger werden durch die Turniermannschaft aus Wetter geschlagen. Obwohl den Wetteranern die Sensation im Viertelfinale verwehrt geblieben ist, stellt der 5. Platz sicher ein gutes Ergebnis dar. Vor allem wenn man bedenkt, dass Wetter a) wohl ziemlich wenig trainierte, b) sich zeitweise im Abstiegskampf befand und c) das Spielsystem Sören von allen Konkurrenten durschaut worden ist. Bleibt zu hoffen, dass an den Abmeldegerüchten nichts dran ist und wir das sympathische Team aus dem Speckgürtel des Ruhrgebiets auch nächstes Jahr in der Kanupolo Bundesliga sehen.

    Das Finale. Alle Mannschaften der Kanupolo Bundesliga kämpfen ein Jahr lang für genau ein Spiel bzw. zwei Spielansetzungen. Nach 4 x 10 Minuten ist alles vorbei und der KCNW Berlin unterliegt zum wiederholten Male den Jungs aus Liblar. Während Partie Nummer eins nach solidem Start aus Berliner Sicht durch mangelnde Gefahr im Torabschluss zunächst aus der Hand gegeben und nach starker Manndeckungsphase von Liblar deutlich verloren wurde, sollte das zweite Spiel beweisen, dass die beiden besten Mannschaften im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft aufeinander trafen. Berlin versuchte durch komplettes Wechseln seines Aufgebots fü Abwehr und Angriff stets seine besten Spieler in Position zu bringen, kam aber nach früher Führung nicht zu weiteren Torerfolgen. Stattdessen zeigten die Rückraumspieler aus Liblar, allen voran Kai Berner und Jonas Vieren, wie man trotz mehrerer Verteidiger das gegnerische Tor trifft.

    So wurde in diesem Jahr nicht nur an dem witzigen Axiom des 7. Platzes gearbeitet, sondern auch die bittere Geschichte, dass KCNW Berlin bisher(!) kein Finale gegen die Wassersportfreunde Liblar gewinnen konnte, um ein Kapitel bereichert.

    Liblar spielte fair – manche sagen besser –  ich sage mit mehr Mut und absoluten Siegeswillen im Torabschluss. Am Ende dürfen sie sich über das siebte Schild auf dem nicht wirklich hübschen, aber in Polokreisen geschätzten, Wanderpokal freuen. Herzlichen Glückwunsch nochmal von meiner Seite – die Revanche folgt Mitte September zur Champions League (European Club Championships) in Helmond. Versprochen.

    Damen und Leistungsklassen 2 bis 4

    Bei den Damen gewann der Göttinger PC und beendet die Siegesserie und bisher Bilderbuchgleiche Statistik der Damen vom Kajak-Club Nord-West Berlin. Die Berlinerinnen blieben nach ihrem Aufstieg 2008, den Meisterschaften 2009 sowie 2010, 2011 in der Vorrunde ungeschlagen und schienen nach zwei Siegen im Halbfinale bereits alle Segel Richtung Titel Nummer 3 gehisst. Am Ende wurden beide Spiele gegen die Göttingerin knapp verloren, die – wie bei den Herren – nicht unbedingt besser, aber bestimmter auftraten. Es lag sicher nicht nur am fehlenden Finger von Tanja Manegold (Strecksehnenabriss & Absplitterung im Gelenk), sondern ebenso am geringen Hunger auf Sieg. Wenn man mehr glaubt zu müssen, statt wirklich zu wollen, bleibt die bittere Erkenntnis, dass es nach dem Erfolg in alle Richtungen bergab geht. Die Berlinerinnen fielen wie auch die Herren nicht besonders hart. Sie haben mit der Qualifikation für Helmond ebenfalls die Möglichkeit ihren Hunger auf Erfolg noch in diesem Jahr unter Beweis zu stellen.

    Dritter wurden die Mädels aus Hanau rund um die Nationalspielerinnen Caro „Corea“ Sinsel und Elena Gilles, die sich gegen das zweite Hauptstadtteam durchsetzten. Nachdem aus Havelbrüderkreisen Gerüchte von beendeten Karrieren vernommen werden konnten, sollte alles drangesetzt werden auch nächstes Jahr mit zwei Berliner Damen Teams in Deutschlands höchster Spielklasse vertreten zu sein. Weitere Abmeldungen – egal ob in oder nach der Saison – sind für das Image des Sports alles andere als förderlich.

    Während die Herren Leistungsklassen 3 und 4 nicht zu meinen favorisierten Turnieren gehören, konnte man in diesem Jahr neben spannenden Partien um den Aufstieg – abbgestiegen wurde dieses Jahr auf Grund von zurückgezogenen Meldungen nicht so viel – auch die ein oder andere Legende nochmal im Polo-Boot sehen. Allen voran Matthias Berner, der seine dreifach-Rolle als Trainer des Liblarer Bundesligateams, am Rand von Radolfzell und als Spieler in der 3. Leistungsklasse, mit denen er gerade so den Aufstieg verpasste, sichtlich genoss. Das Ganze hätte er sicherlich auch noch selbst kommentiert. Ebenso wechselte Michael Konrad nicht nur in den Vereinsvorsitz der Rothen Mühle und an die Linie der Bundesligamannschaft, sondern stieg für die zweite Mannschaft „seines“ Vereins nicht nur ins Boot, sondern auch auf in die zweite Leistungsklasse.

    Aber neben den witzigen Anekdoten und Legenden(fort)bildungen, sind mit dem ACC Hamburg und dem Mühlheimer KSF ein ambitioniertes Team und ein ambitionierter Verein in die Bundesliga aufgestiegen. Während die Mülheimer Spieler klar (am liebsten mit Sven Stockkamp als Trainer, der sich gegen seine Doppelrolle als Haupt-Material Supplier für Kanupolo-Deutschland und Coach wehrt) in Liga eins spielen wollen, ging es für Hamburg mehr um den Bundesligastartplatz an sich. Während BWS Hamburg bereits seit einigen Jahren erstklassig spielt, war auf Grund besserer Trainingsbedingungen frühzeitig im Gespräch nach einem ACC-Aufstieg die Hamburgerkräfte an der Alster zu bündeln. Ob es zu einer Abmeldung von Schwalbe kommt, steht jedoch in den Sternen. Sowohl zwei Teams aus Hamburg sind im Gespräch, wie auch der „quasi“-Durchmarsch  des Ratzeburger KC: Der Club stieg von der LK3 in die LK2 auf und könnte die Möglichkeit bekommen unter Hamburger Fahne ein Zwischenstopp in der zweiten Leistungsklasse zu vermeiden. Es bleibt spannend – nicht nur auf dem Feld.

    Bei den Damen stiegen ebenfalls die Mülheimer auf – aus Vereinssicht endlich. Nach nunmehr drei Versuchen gelang ihnen dieses Jahr hinter den Duisburgerinnen (1. MKC) der Aufstieg. Obwohl es nach einem Zwischenrundespiel zwischen MKC und MKSF ebenfalls nach einem weiteren Kapitel in den ungeschrieben Pologesetzen aussah. Die  vorgezogene Begegnung zwischen den beiden Finallistinnen endete mit Sieg für Meiderich und der ein oder andere ging trotz Spielansetzung am Samstagabend von einem weiteren Einsatz der Unaufsteigbaren aus. Am Ende der Deutschen Meisterschaft darf sich der Mülheimer KSF wie auch der Meidericher KC (ebenso ACC Hamburg) über das Privileg freuen neben Berlin (KCNW) und Göttingen sowohl in der Herren als auch in der Damen Bundesliga ein Team stellen zu dürfen.

    Nachwuchsklassen

    Ich will ehrlich sein. Spiele der Schüler, Jugend und Junioren anzuschauen, gehört  ebenfalls nicht zu meinen Stärken. Je jünger die spielende Mannschaft desto weniger ambitioniert verfolge ich die Partie. Das Endspiel der Schüler zwischen KRM Essen und den Havelbrüdern sowie das Jugendendendspiel zwischen dem KC Limmer und ebenfalls dem Berliner Verein mit den blauen Booten und Westen, stellten bemerkenswerte Ausnahmen dar. Das in manchen Situationen aufblitzende Spielverständnis gibt einen guten Einblick, dass sich die alten Hasen auf noch stärkere Nachwuchsathleten freuen dürfen. Am Ende gewinnt aus meiner Hauptstadtgefärbten Sicht zweimal verdient Berlin.

    Von einem alten Vereinskameraden, dem das Aufhören ähnlich schwer fiel wie Michael „Magic“ Konrad oder Matthias „Matthes“ Berner, habe ich noch folgenden Satz im Ohr, ob er sich einen Trainerposten im Nachwuchsbereich vorstellen könne: „… ja aber erst in der Junioren-Klasse, die spielen wenigstens schon Kanupolo.“ Stimmt. Aber auch nur irgendwie. Wenn die spielerische Dominanz aus der Vorrunde nicht mit ins Endspiel genommen werden kann und stattdessen Großchancen en mass ausgelassen werden, fehlt es noch am letzten Stück zum vollwertigen Kanupolo-Spiel. Leider traf es in diesem Jahr den Kajak-Club Nord-West, meinen Verein und meine Trainingspartner. Am Ende reichen zwei klare Siege in der Vorrunde nicht aus, um das Juniorenteam von Pirat Bergheim in die Schranken zu weisen. Die überragende Torwartleistung der Piraten, die mit jedem Wurf der Berliner besser wurde, sorgt für den ersten Titel seit 17 Jahren in der Vereinsgeschichte der Bergheimer.

    Alle Ergebnisse können auf der Startseite (temporär) von Kanupolo.de und  in der neuarrangierten Übersicht zur Deutschen Meisterschaft heruntergeladen werden.

    Vollversammlung der Bundesliga

    Ein Blick in das Protokoll der Bundesligavollversammlung bringt Interessantes ans Tageslicht. Während noch nicht abschließend geklärt ist, wann wer wo spielen muss, steht eins fest: Nächstes Jahr wird mit Shot Clock gespielt. Die aus juristischer Sicht clever eingeführte Ausrichterregelung in die Wettkampfbestimmungen kommt zum Tragen und eine Abstimmung ist entbehrlich. Gott sei Dank – sonst wären Punkte wie Kosten und Logistik der Uhren sicherlich ein großes Streitthema gewesen. So bleibt nur die Frage „wie“ und das „ob“ konnte direkt übersprungen werden. Wie bereits in meinem Artikel zur Shot Clock festgehalten, freue ich mich auf die Anwendung der neuen Regel. Spannende Spiele sind alles was das Poloherz begehrt – egal ob als Spieler auf dem Wasser oder als Zuschauer an Land.

    Das Protokoll enthält allerdings auch einen Skandal. Der Skandal hat 5 Buchstaben und heißt „Conti“. Wenn die Ausführungen von Hanjo Diedrich, der als Vertreter meines Vereins der Versammlung beiwohnte, stimmen, wurde über das von Björn Zirotzki vorgetragene Anliegen gar nicht abgestimmt. Während mir die Formalien herzlich egal sind, bin ich klar gegen Conti Bälle. Dass diese nun überall offiziell Verwendung finden (EM + WM) kann in einer Sportart, in der so gut wie alle selbst bezahlt wird doch nicht gelten. Würde Conti als Sponsor der DKL (Deutschen Kanupolo Bundesliga) in Erscheinung treten und alle Bälle (vielleicht sogar für den Trainingsbedarf der Bundesligisten) zur Verfügung stellen, sehe die Sache sicher anders aus. Aber wenn ich gezwungen bin für eigenes Geld Bälle zu kaufen, werde ich mich persönlich nicht für das schlechtere Produkt entscheiden, wenn ich stattdessen auch das Beste haben kann. Auch ist es mir ein Rätsel, warum andere „grob-gummierte“ Bälle (Epsan, Waterfly) einem griffigen Mikasa vorgezogen werden. Klar, der Schiedsrichter kann mit seinen fettigeren (nicht fettigen!), die grob-gummierten Bälle besser greifen, aber für die Spieler auf dem Wasser ohne Fettfilm sieht das anders aus. Bleibt zu hoffen, dass dieser Punkt nochmal abgestimmt wird.

    Alle Informationen zur kommenden Bundesligasaison, sowie die Gerüchte zu den Wechseln  werde ich in einem Artikel bzw. einer Übersichtsseite zusammenfassen, sobald die letzten Termine des Turnierkalenders erledigt sind. Mal schauen was sich mit Hilfe von Flur- und FB-Funk in Erfahrung bringen und erahnen lässt.

    Presse-Echo

    Ein wirkliches Echo in der Presse, dass über lancierte Meldungen über das Ereignis an sich (so der Videobericht zur Deutschen Meisterschaft beim Regionalsender rbb) oder über die Erfolge des eigenen Vereins hinaus (Liblar in der Kölnischen Rundschau) gingen, gab es nach meinem Wissen leider nicht. Bitte nicht falsch verstehen, dass ist keine Kritik an dem Wunsch der Clubs oder des Veranstalters in eigener Angelegenheit zu werben. Jedoch wäre es viel wünschenswerter, wenn nicht in einem Ton „guckt mal was sonst noch so tolles gibt“ über die wichtigsten Kanupolo-Wettkämpfe Deutschlands berichtet werden würde. Bei Basketball, Fußball oder Golf wird einfach gesagt wer gewonnen oder verloren hat. Klar muss unser Sport in die Presse, die derzeitige Art und Weise der Berichterstattung darf aber nur eine Durchgangsstation sein.

    Für alle, die ähnlich Kanupolo besessen sind, hier eine Auflistung der Berichte aus den Vereinen, die auf Facebook und den eigenen Websites veröffentlicht wurden:

    Wenn ich jemand in dieser Auflistung vergessen habe, freue ich mich über jede Nachricht.

    Eins musste ich mit Erschrecken feststellen. Selbst Profanes wie schreiben (und dann auch noch über die größte Leidenschaft) fällt mit Erfolg im Nacken eindeutig leichter. Beim nachträglichen Lesen meines DM-Berichts für das DKV Magazin stach die fehlende Euphorie schon ins Auge. Sorry an alle Meister und Sieger, die bessere Worte verdient hätten!

    Bilder aus Grünau

    Wie bereits von anderen Turnieren und Spieltagen bekannt, waren Andreas Köberle und Sebastian Blume mit ihren Kameras wieder unterwegs und stellen ihre Abschüsse kostenfrei auf Facebook (Andreas Köberle und ASV Horb) zur Verfügung. Aber nicht nur die Beiden sorgten für Impressionen von den Spielfeldern in Grünau. So lassen sich auf den Facbeook-Fanpages der einzelnen Vereine ebenso Bilder finden wie bei zahlreichen Spielern (die digitale Fotografie macht’s möglich; z.B. hier bei Robin Berninger).

    Mit der Unterstützung von Andreas Köberle und Sebastian Blume sowie eigenen Bildern habe ich im Stil der Boston Big Picture Serie einen Rückblick auf die Deutsche Meisterschaft in Bildern erstellt.

    Fazit

    Rund 3800 Worte später, vielen Dank an alle, die mich bei meinem persönlichen Rückblick begleitet haben, will ich mich (ausnahmsweise) kurzfassen. Die 41. Auflage der Deutschen Meisterschaft, nebenbei bereits die 21. Meisterschaft im Kleinfeldpolo, war trotz suboptimaler Felder, wenig Fremdpublikum und nur mittelprächtigen Wetters eine gelungene Veranstaltung. Über 90 Mannschaften, die allen voran in der Bundesliga auf immer engerem Niveau gegeneinander spielten, sorgten für die ganz spezielle, festivalähnliche Atmosphäre. Die nächste Deutsche Meisterschaft findet (mal wieder) auf dem Essener Baldeneysee zwischen dem 16. und 19. August 2012 statt.

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    About Sebastian

    Seit mehr als 10 Jahren spiele ich Kanupolo und verbinde mit dem Sport weit mehr als geworfene Tore oder gewonnene Partien. Kanupolo ist für mich die beste Sportart der Welt und fasziniert mich von der erforderlichen Athletik über die komplexe Technik bis zur Turnierorganisation und die Geschichten der Sportler und Offiziellen. Und genau um das geht es auf www.POLOSPOR7.com - Geschichten, Informationen sowie Ergebnisse, Bilder und Berichte über Kanupolo in Deutschland und der Welt.

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    Wenn Kanuten und Rugbyspieler zusammen eine Sportart entwickeln müssten, würde wohl Kanupolo enstehen. Auf einem 35 mal 25 Meter langen Spielfeld kämpfen zwei Mannschaften á 5 Feldspieler mit nur einem Ziel: In zwei Mal 10 Minuten mehr Tore werfen als der Gegner. Für alle, die mehr über Kanupolo erfahren wollen, lohnt ein Blick in das Polo 1x1, die Media-Sektion oder ein Besuch bei einem der 118 Vereine.

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    Auf POLOSPOR7 [ ˈpoːlospɔːt ] dreht sich alles um Kanupolo - die beste Sportart der Welt. In einem Mix aus Artikeln, News-Bits, Turnierinfos, Ergebnissen und Fotostrecken berichten Sebastian Bonk und Elena Gilles über Kanupolo in Deutschland und der Welt. Folgt POLOSPOR7 bei Twitter oder auf Facebook um nichts in der Kanupolo Welt zu verpassen.