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    Die Play-Offs im Überblick

    In weniger als einer Woche ist es wieder soweit: Die Kanupolo-Vereine aus ganz Deutschland kommen zusammen, um endlich den Aufstieg zu schaffen, den Abstieg abzuwenden oder einen der fünf ausgespielten Titel zu gewinnen. Einer der Sieger wird in Deutschlands stärkster Spielklasse gesucht. Der Deutschen Kanupolo Bundesliga, die seit diesem Jahr unter der Abkürzung DKL firmiert. Die 12 Bundesligateams suchen aber nicht nur den Meister 2011, sondern kämpfen ebenfalls um die beiden Startplätze für die European Club Championships Ende September.

    Im Gegensatz zu den Nachwuchsteams müssen sich die Mannschaften in Deutschlands höchster Spielklasse zunächst für den Titelkampf qualifizieren. Lediglich die 8 Besten der über die Saison ausgespielten Hin- und Rückrunde ziehen ein Ticket für die Play-Offs. Die Teams auf den Rängen 9 bis 12 müssen in den Play-Downs beweisen, dass sie auch in der kommenden Saison weiterhin erstklassig unterwegs sind.

    Wie in wenigen Saisons zuvor sorgen bereits die Ansetzungen der Viertelfinalbegenungen für Zündstoff. Obwohl die besten der Teams der Abschlusstabelle gegen die nominlell schlechteren spielen, ist die Rolle von Favorit und Underdog nur selten eindeutig verteilt. Zeit für einen Faktencheck und eine persönliche Prognose.

    KSV Rothe Mühle Essen (2) vs. KC Wetter (7)

    Die Saison für sich betrachtet, sollte das zweite Viertelfinale (das erste kommt zum Schluss) der diesjährigen Deutschen Meisterschaft eine klare Angelegenheit werden.Die Wetteraner spielten eine schwache Vorrunde, traten selten in Bestbesetzung an und konnten erst am letzten Spieltag den Einzug in die Play-Offs sichern. Währenddessen zeigten die Mühlen, nach Abgang vom Alt-Internationalen Alan Vessey und dem Wechsel von Magic Michael an die Linie, eine solide Leistung. So integrierten sie auch den Göttinger Neuzugang Bastian Prekel als Center in ihr Spiel und belegen nach vier Spieltagen Rang zwei. Zur gleichen Viertelfinalbegegnung, mit ganz ähnlichen Vorzeichen, kam es schon im letzten Jahr. Und die meisten werden die Spiele der ersten Runde Best-of-3 noch lebhaft in Erinnerung haben. Dem Team rund um Sören Kraemer gelang die Sensation. In nur zwei Spielen warfen sie den Titelanwärter und Favoriten aus dem Rennen. Bleibt abzuwarten, ob das System-Sören auch in diesem Jahr wieder funktioniert oder ob die favorisierten Mühlen leichtes Spiel mit den unkonstanten Wetteranern haben.

    Mein Tipp: Obwohl Sören Kraemer immer noch einer der talentiertesten Spieler Deutschlands ist, rächt sich dieses Jahr mangelnder Trainingseinsatz. Rothe Mühle hat mit dem Zauberer an der Linie Glück im Abschluss und zieht nach zwei Spielen ins Halbfinale ein.

    Wassersportfreunde Liblar (3) vs. 1. Meidricher KC (6)

    Dass die Rekordmeister (fünf ihrer sechs Titel holten sie in Folge) vom Liblarer See nur von Platz drei in die Play-Offs starten, ist einem eher verhaltenen Start in die Saison geschuldet. Gleiches gilt auch für das Team Rund um Nationalmannschafts-Captain Björn Zirotzki. Wobei sich bei den Duisburgern die Beschreibung nicht nur auf den Start in die Saison, sondern eigentlich auf jedes Spiel bezieht. Das Spielsystem des 1. MKC konkurriert in diesem Jahr jedenfalls mit der Abwarte- und Aufbaustrategie der Nord-Westler zu ihren defensiven Hochzeiten. So wurden auf dem letzten Rückenrundespieltag in Essen bereits Kommentare der WSF-Athleten vernommen, die Meidericher in Runde 1 der Play-Offs durch eine Manndeckung kaputt zu pressen. Sie wollen so verhindern, dass die Meidericher (wahrscheinlich zum letzten Mal) ihr extrem statisches Angriffssystem aufziehen. Für die Jungs aus Liblar bleibt zu hoffen, dass sie dieses Jahr ein glücklicheres Händchen bei der Wahl der Taktik haben. Im letzten Jahr gewann der 1. Meiderich KC gegen Liblar im Halbfinale nach torloser Verlängerung im Penaltywerfen. Die Wassersportfreunde entschieden 2010 nichts zu risikieren und den Sieg im Entscheidungswerfen zu suchen.

    Mein Tipp: Meiderichs Torhüter, Erik Schmitz-Elvenich, hat einen guten Tag und macht es Liblar schwer. Die Entscheidung fällt erst im dritten Spiel.

    Billerwasserport Schwalbe (4) vs. Göttinger KC (5)

    Gruppe Nord-Ost unter sich im Duell der beiden ebenwürdigsten Mannschaften. Sowohl die Hamburger als auch die Göttinger lassen sich in dieser Saison – beide auf ihre Art und Weise – als große Wunderkiste beschreiben. Während man bei den Göttinger nie wirklich wusste, in welcher Besetzung sie zum Spieltag antreten, spielten die Hamburger mal als unschlagbares Kollektiv, mal als kopfloser Haufen mit egoistischem Torabschluss. Jedoch werden die Göttinger, so darf man wohl hoffen, mit ihren besten Spielern nach Berlin reisen. Neben Ex-Nationaltorhüter Tim Flohr sollte auch der nach einem Hantelunfall genesene Nils Hildebrandt auf dem Spielprotokoll vermerkt sein. Die Hamburger müssen ihre Stärken voll ausspielen, im kollektiven Doppelstoß angreifen und als Bollwerk verteidigen. Andernfalls wird es wohl eine ziemlich einseitige Partie.

    Mein Tipp: Die beiden Exil-Kieler im Team der Hamburger, Harry und Erik, haben das gemeinsame Anfahren perfektioniert und schlagen Göttingen in zwei Spielen (Sorry Paúl!).

    Kajak-Club Nord-West Berlin (1) vs. Kanugemeinschaft Wanderfalke Essen (8)

    Die meisten von euch können sich den Grund denken, warum das erste Viertelfinale am kommenden Freitag  zum Schluss erwähnt wird. Ich spiele nämlich bei den Gastgebern aus Berlin und der Esel soll nur in den seltensten Fällen voran gehen. Auch wenn der KCNW in naher Vergangenheit nicht gegen die Wanderwalken verloren hat, taten wir uns in beiden Bundesligaspielen der Vorrunde schwer. Auf dem Spieltag in Göttingen gewann man nach schwachem Start mit 5 zu 3, während zum Abschluss der Rückrunde man stark startete (Halbzeitstand 4:0) und danach durch Unkonzentriertheiten das Spiel beinahe aus der Hand gab (Enstand 6:5). Des Weiteren erwies sich die Grünauer Regattastrecke bereits vor 6 Jahren als gutes Pflaster für die Wanderfalken. Sie überstanden in ihrer Bundesliga-Geschichte erst ein Mal das Viertelfinale und wurden anschließend Meister. Trotzdem ist die Favoriten- und Außenseiterrolle, in dieser Partie klar verteilt. Nicht zuletzt durch den Umstand, dass die Leistungsträger der Falken zu ihrem Sieg vor 6 Jahren entweder ihre Karriere beendeten oder lediglich in der zweiten Mannschaft spielen.

    Mein Tipp: Wir ziehen nach zwei Spielen ins Halbfinale ein. Jedoch wird nur eine der beiden Partien mit einem deutlichen Ergebnisse zuende gehen.

    Die Play-Downs

    Die in den Wettkampfbestimmungen liebevoll „Abstiegsrunde“ genannten Play-Downs ist das Dojo der vier schlechtesten Teams nach Hin- und Rückrunde. Während die Wieder-mal-Aufsteiger aus Quakenbrück bereits nach ihrem LK2-Sieg 2010 als Wieder-mal-Absteiger gehandelt worden sind, attestierte man den anderen beiden Aufsteigern zumindest teilweise Bundesligatauglichkeit. Sowohl das Team vom Bodensee (KC Radolfzell) als auch der RSV Hannover zeigten ein paar ansehnliche Partien. Allerdings gelang es nur den Hannoveranern aus guten Spielansetzen auch Punkte mitzunehmen. Die Radolfzeller duellierten punktemäßig ausschließlich mit dem Team vom WSV Quakenbrück um den vorletzten Platz. Teilnehmer Nummer 4 der Play-Downs sind die Abstiegsrundenveteranen vom zweiten Berliner Bundesligaverein. Der VK Berlin trainiert Zaun an Zaun auf dem Hohenzollernkanal im Nord-Westen Berlins und verpasste in diesem Jahr denkbar knapp die Play-Offs. Am Ende fehlen ihnen nur 3 Tore (nicht Punkte!) zum erstmaligen Einzug in das Turnier der besten 8.

    Während zum zum 4. Spieltag das von Matthias Berner selbst in die Welt gesetzte Gerücht die Runde machte, er würde unter Umständen zusammen mit Niklas Reimers den KC Radolfzell im Kampf um den Klassenerhalt unterstützen, dürfen der RSV Hannover und der VK Berlin aufatmen. Wie auf dem Vereinsblog vom WSF Liblar zu lesen ist, spielt Mattes für die zweite Liblarer Mannschaft in der dritten Leistungsklasse. Die beiden ehemaligen Nationalspieler und Poloroutiners hätten trotz mangelnder Praxis die Karten in den Play-Downs neugemischt.

    Mein Tipp: Wenn sich Quakenbrück keinen Superspieler geschnitzt hat, sehen wir das Team aus Niedersachsen nächstes Jahr wieder in der zweiten Leistungsklasse. Wer den „Quaken“ in Liga zwei folgt, hängt von dem gefürchteten Überkreuz-Spiel ab (Weitere Informationen können in den aktuellen – Stand 2011 – Wettkampfbestimmungen auf S. 40 [PDF] oder auf S. 21 im Programm zur DM2011 [PDF] nachgelesen werden). Ich hoffe, dass die Jungs vom VK Berlin auch nächstes Jahr erstklassig spielen und sich gegen die beiden anderen tatsächlichen Konkurrenten durchstezen. Ob die Tatsache, dass sie sie seit ihrem Aufstieg 2005 nicht ein mal die Play-Offs erreichten, für oder gegen sie spricht, will ich an dieser Stelle lieber nicht beurteilen.

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    Seit mehr als 10 Jahren spiele ich Kanupolo und verbinde mit dem Sport weit mehr als geworfene Tore oder gewonnene Partien. Kanupolo ist für mich die beste Sportart der Welt und fasziniert mich von der erforderlichen Athletik über die komplexe Technik bis zur Turnierorganisation und die Geschichten der Sportler und Offiziellen. Und genau um das geht es auf www.POLOSPOR7.com - Geschichten, Informationen sowie Ergebnisse, Bilder und Berichte über Kanupolo in Deutschland und der Welt.

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