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    Kanupolo Fakten

    Unbekannte Sportarten haben Interessierten & Neugierigen immer viel zu viel zu erklären. Oft erfährt man alles über das komplexe Regelwerk, die Organisation im Detail und ab und zu einen Namen eines herausragenden Athleten. Allerdings erreichen objektive Beschreibungen nur selten das Gefühl tatsächlich etwas über den Sport zu wissen. Sieben Fakten garniert mit persönlichen Wertungen, die man über Kanupolo wissen muss, um am Stammtisch nicht den Anfängerstempel aufgedrückt zu bekommen oder ins Lager der Unipolo-Spieler gesteckt zu werden. Was es mit Spielern aus dem Hochschulsport auf sich hat, erkläre ich ein anderes Mal.

    1. Amtierender bzw. amtierende Weltmeister

    Im Polo werden, bis auf wenige Ausnahmen, alle Leistungs- und Altersklassen gleichzeitig in einem Turnier ausgespielt. Dieses gilt auch für den wohl populärsten Titel, der in jeder Sportart (bis auf Bodybuilding) verteilt wird. Während in anderen Sportarten wie Leichtathletik, Schwimmen oder Fußball mehrere Kombinationen aus dem Buchstaben U und einer zweistelligen Zahl (U17, U19, U23 etc.) um den Titel des Weltbesten kämpfen, gibt es im Kanupolo nur die international ausgespielte Kategorie der Athleten unter 21. Da die Wettbewerbe für Männer und Frauen ausgetragen werden, gibt es im Ergebnis 4 mal die Möglichkeit Weltmeister bzw. -meisterin zu werden.

    Das Podium bei den letzten Weltmeisterschaften (Italien), die im zwei Jahresrhythmus mit geraden Jahreszahlen stattfinden, war wie folgt besetzt:

    Herren

    Frankreich

    Deutschland

    Italien

    Damen

    Großbritannien

    Deutschland

    Frankreich

    Herren U21

    Deutschland

    Frankreich

    Italien

    Damen U21

    Frankreich

    Deutschland

    Großbritannien

    Das Ranking legt folgendes nahe: Europa ist die Kanupolo-Hochburg. Während in den Anfangsjahren die Australier dominierten, kämpft die europäische Elite seit 2000 alleine um die begehrten Titel. So sind die Europameisterschaften, analog zur Situation im Handball, quasi gleich bedeutend. Diese finden in den Jahren mit ungeraden Zahlen statt. 2011 trafen sich die Nationen von Schweden im Norden bis Italien im Süden im spanischen Madrid.

    Herren

    Frankreich

    Deutschland

    Großbritannien

    Damen

    Großbritannien

    Frankreich

    Deutschland

    Herren U21

    Frankreich

    Deutschland

    Italien

    Damen U21

    Deutschland

    Polen

    Großbritannien

    2. Deutschlands bester Spieler

    Die Meinungen darüber gehen natürlich auseinander. Vor allem, wenn alle Personen die darüber diskutieren bei entsprechend kleinerer regionaler Einschränkung ebenfalls in Frage kommen. Einer der komplettesten und technisch versiertesten Spieler ist Robert Pest vom KCNW Berlin. (Dickes Sorry an alle, die gehofft haben ihren Namen hier zu lesen.)

    3. Deutscher Meister

    Da es im Kanupolo keine Pokalmeisterschaft gibt, genießt der jährlich ausgespielte Deutscher Meister Titel unangefochtene Einzelstellung. In insgesamt 5 Leistungklassen, drei davon im Nachwuchsbereich, kämpfen die Mannschaften um die nationale Krone. Während bei den Schülern (bis 14 Jahre), in der Jugend (bis 16 Jahre) und bei den Junioren (bis 18 Jahre) lediglich das zur Deutschen Meisterschaft ausgespielte Turnier entscheidet, müssen die Herren und Damen zunächst in einer Hin- und Rückrunde ihre Leistung unter Beweis stellen. Die Platzierungen der Abschlusstabelle entscheiden über den Startplatz im Play-Off-Turnier, welches ebenfalls im Rahmen der Deutschen Meisterschaften ausgespielt wird. Amtierender Deutscher Meister (2011) bei den Herren sind die Wassersportfreunden Liblar, die ihren nun mehr siebten Titel holten. Deutsche Meisterinnen der Damen Kanupolo Bundesliga sind die Spielerinnen vom Göttinger Paddler-Club.

    4. Weitere wichtige Turniere

    Neben Welt-, Europa- und aus nationaler Sicht Deutscher Meisterschaft gibt es zwei Turniere in Europa, die man als Polospieler kennen muss. Zum einem den traditionell vom KSV Rothe Mühle Essen organisierten Deutschland Cup. Ein jährlich am Pfingstwochenende stattfindendes 3-Tage-Turnier. Im Jahr 2011 wurde die Veranstaltung bereits das 40. mal organisiert – nicht nur ein runder Geburtstag, sondern auch eine stolze Zahl (vor allem wenn man berücksichtigt, dass die Deutsche Meisterschaft nur ein Jahr älter ist). Die andere Veranstaltung, die man kennen sollte, sind die European Club Championships. Das Pendant zur Champions League im Fußball. Und da der richtige Name nicht wirklich den Charme versprüht, dass sich dort die besten Vereinsmannschaften Europas zum Stelldichein treffen, fällt in der Pologemeinschaft wesentlich häufiger die aus dem Fußball bekannte Bezeichnung.

    5. Champions League Sieger

    Amtierender Sieger der Landesmeister ist das französische Team Condé sur Vire. Nachdem dritten Platz zu den European Club Championships 2010 in Essen schafft es ein französischer Verein, nachdem Frankreich alle internationalen Titel im Herrenbereich hält (Weltmeister 2010, World Games 2010, Europameister 2011), auch das wichtigste Turnier für Vereinsmannschaften zu gewinnen. Überragende Athletik, zuvor das Steckenpferd der Champions League Seriensieger vom Deventer KV, sorgte 2011 für den Titel im niederländischen Helmond. Trotz des hohen Sieges im Finale gegen Viking (GBR), wird sich zeigen, ob es an der Spitze der europäischen Clubteams zu einer längeren Wachablösung kommen wird.

    Version vor September 2011
    In Deutschland gibt es eine europäische Mannschaft, die jedes Polokind kennt: Den Deventer KV aus den Niederlanden. Sie gewannen 2010, wie auch 2009, 2008, 2007 (und so weiter) die European Club Championships. Früher formierte sich aus den Deventer-Spielern auch die niederländische Nationalmannschaft. Obwohl das Team seit 2009 trainigstechnisch auf Sparflamme gestellt hat, zählen sie immer noch zu den besten Vereinsmannschaften Europas bzw. der Welt. Wobei eine Ablöse in naher Zukunft wahrscheinlich ist und wir gespannt auf die diesjährige Champions League-Auflage ins niederländische Helmond blicken dürfen. Nach dem 17. und 18. September wissen wir mehr.

    6. Wichtige Teams in Deutschlands

    Obwohl Kanupolo in seiner aktuellen Form (Kleinfeld) erst seit Anfang der 1990er Jahre gespielt wird, beginnt die Geschichte des Sports bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts. Da schon damals Kajaks und Kanus notwendig waren, um Kanupolo zu spielen, entwickelte sich die Sportart ausschließlich in Kanuvereine, deren Namen meist wie Kleingartenkolonien klingen. Folgende Teams aus Deutschland sollte man neben dem amtierenden Deutschen Meister auf jeden Fall kennen:

    Den Kanusportverein Rothe Mühle Essen, mehrfacher Deutscher Meister und Ausrichter des Deutschland Cups. Brachte mit als erster Verein ausländische Spieler gegen Fahrtkosten zu deutschen Turnieren und in die Bundesliga.

    Der 1. Meidericher Kanu-Club, ebenfalls im deutschen Polo-Epizentrum des Ruhrgebiets beheimatet, hatte um die Jahrtausendwende seine Hochzeit und gewann als einzige deutsche Vereinsmannschaft die Champions League (2001).

    Last but not least ist der Kajak-Club Nord-West Berlin zu nennen. Wäre es nicht schon Grund genug den Verein des Autors von POLOSPOR7 zu erwähnen, ist der Hauptstadt Club nicht nur wegen seiner guten Nachwuchsarbeit Deutschlandweit bekannt, sondern auch unzählige Male tragischer Zweiter hinter dem Rekordmeister vom Liblarer See gewesen. Erst in den Jahren 2009 und 2010 konnten die Berliner mit ihrem Schicksal brechen und zwei Mal in Folge die Kanupolo Bundesliga gewinnen. 2011 wurden sie wieder mal Zweiter – wieder verloren sie gegen WSF Lliblar.

    7. Populäre Spielsysteme

    Während im Fußball rund 10 Aufstellungen zum modernen Taktikrepertoire der Trainer gehören, gibt es im Kanupolo 3 häuifgt gespielte Systeme für die Abwehr und im Kern eigentlich nur 2 für den Angriff.

    Obwohl es keinen festen Torwart gibt, übernimmt in der Abwehrsituation ein Spieler alleine die direkte Sicherung des Kastens. Die vier verbleibenen Spieler versuchen währenddessen die Angreifer so weit weg wie möglich vom Tor zu halten und so einen Gegentreffer zu verhindern.
    Nun zu den drei poplären Aufstellungen für die Abwer: Die 4er Kette (eigentlich veraltet, kommt aber gegen das Angriffsystem mit zwei Centern wieder in Mode), die 3er Kette mit einem vorgezogenen „Einser“ (scharfes „s“) oder die Box-Verteidigung in 2 – 2 Anordnung.

    Im Angriff stellt sich nur eine Frage: Spielt man lieber mit einem oder zwei Centern. Die Aufgabe für diese Position lautet, die Abwehr so zu beschäftigen, dass die Rückraumschützen (inkl. des Torwarts!) durch zeitlich versetztes Anfahren zu einem möglichst freien Wurf aufs Tor kommen. Neben den erwähnten Systemen zur Raumdeckung gibt es noch die klassische Manndeckung. Das letzte Mittel, um schnellstmöglich einen Ballbesitz zu erkämpfen.

    Welches Spielsystem von den Mannschaften gewählt wird, hängt nicht nur vom Gegner, sondern vor allem von den Fähigkeiten des eigenen Teams ab. Hat man viele schnelle und leichte Spieler kommt eine 2 – 2 Verteidigung und ein Angriffsspiel mit einem Center in Frage. Gibt es hingegen viele Spieler mit Gewicht um die 100 kg ist ein statisches System hinten (3 – 1 Verteidigung) und ein Angriff mit zwei Centern, die versuchen eine Lücke in die gegnerische Abwehr schieben, ein probates Mittel ein Tor zu erzielen.

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    Kanupolo

    Wenn Kanuten und Rugbyspieler zusammen eine Sportart entwickeln müssten, würde wohl Kanupolo enstehen. Auf einem 35 mal 25 Meter langen Spielfeld kämpfen zwei Mannschaften á 5 Feldspieler mit nur einem Ziel: In zwei Mal 10 Minuten mehr Tore werfen als der Gegner. Für alle, die mehr über Kanupolo erfahren wollen, lohnt ein Blick in das Polo 1x1, die Media-Sektion oder ein Besuch bei einem der 118 Vereine.

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