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    Mikasa vs. Conti

    14. August 2012 von Sebastian in Featured, Inside POLOSPOR7 · 1 Kommentar

    Da auf den meisten Turnieren von den Veranstaltern keine Spielbälle zur Verfügung gestellt werden, beginnen die  Spiele in der Regel nicht mit einem Anstoß, sondern mit der Wahl des Spielgeräts. Die Ab- und Aufrechnung eines Mikasafetischisten.

    Auch die ICF hatte schon mal eine besseres Händchen bei der Wahl des Spielballs.

    Jeder Schiedsrichter, der schlussendlich den Ball in die Mitte wirft (oder in seltenen Fällen mit einem Ring/Haube in der Mitte des Spielfeldes platzieren lässt), entscheidet oder lässt die Mannschaftsführer entscheiden mit welchem Ball das Spiel bestritten werden soll. Soweit so gut. Bevor die ICF (International Canoe Federation) am 26. August 2010 einen exklusiven Vierjahresvertrag mit dem taiwanischen Ballhersteller Conti verkündet hat, war die Entscheidung relativ leicht: Der griffigste Mikasa Ball, seines Zeichens Spielball bei den olympischen Wettbewerben in London sowie Weltmeisterschaften, wurde gewählt und das Spiel konnte beginnen.

    Fakt ist, von dem Exklusivvertrag zwischen ICF und dem Ballhersteller Conti haben wir hier in Deutschland nichts. Oder habt ihr ein Paket aus Taiwan mit Spielbällen bekommen – vielleicht sogar umsonst? Fakt ist auch, dass die Deutsche Kanupolo Bundesliga ebenso wenig ein Paket erhalten hat. Lediglich Björn Zirotzki (Captain und Trainer der deutschen Herren Nationalmannschaft) machte auf der Bundesligasitzung zur Deutschen Meisterschaft 2011 in Berlin den Vorschlag, dass wir uns in Deutschland auf Conti als Spielball einigen könnten, um die Nationalspieler an das offizielle Spielgerät zu gewöhnen. Dieser Vorschlag wurde weder offiziell abgestimmt noch angenommen.

    Das meine persönliche Präferenz auf dem Produkt der erst genannten Marke liegt, wird jedem hinreichend bekannt sein. Jeder weiß, dass die Herren-Spieler von Nord-West Berlin lieber mit einem abgerockten Mikasa spielen als nur einen Finger auf einen Conti zu legen. Außer der Schiedsrichter zwingt uns mit seiner – aus unserer Sicht höchst unprofessionellen – Wahl des Spielgeräts dazu.

    Warum Mikasa? Auch wenn ein Conti in seiner Flugbahn stabiler sein mag, stürzt er einfach wie ein Stein von Himmel. Hingegegen gleitet ein beim Abwurf optimal getroffener Mikasa locker durch die Luft. Die gröbere Gummierung eines Conti ist für die „fettigeren“ (bzw. nicht aufgeweichten Hände wie sie die Spieler haben) natürlich griffiger. Aber klebt nie so gut an der  der entfetteten Hand wie ein feinporiger Mikasa. Auch wenn der Preis nicht das alles entscheidene Kriterium sein kann und bekanntere Marken gerne einen Aufschlag nehmen, kann man sich fragen, warum die offiziellen Spielbälle beider Hersteller im Verkaufspreis um 10 Euro auseinander liegen. Sonst wird gerne – ob berechtigt oder nicht – auf das Marken-/Premium-Produkt geschworen… nur bei der Wahl des Spielgeräts wird sich Blindlings einer diffusen Mehrheit angeschlossen. Herzlichen Glückwunsch.

    Und zu guter Letzt noch ein Blick ins Regelwerk. Die deutsche Übersetzung zum Thema Spielball lautet:

    Deutsche WB

    § 94 Der Ball (ICF Regel 38)

    (1) Der Ball soll rund sein und eine Luftkammer mit selbstschließendem Ventil haben. Er soll wasserdicht und griffig, sowie ohne äußere Riemen oder ohne einen Überzug aus Fett oder ähnlichen Substanzen sein.
    (2) Das Gewicht des Balles soll nicht weniger als vierhundert (400) Gramm und nicht mehr als vierhundertfünfzig (450) Gramm betragen.
    (3) Für Spiele der Herren, U21-Herren und Master-Herren soll der Umfang nicht weniger als achtundsechzig (68) Zentimeter und nicht größer als einundsiebzig (71) Zentimeter betragen und der Luftdruck soll neunzig bis siebenundneunzig (90 – 97) Kilopascal (0,9 -0,97 bar) betragen.
    (4) Für Spiele der Damen-, U21-Damen, Master-Damen, Junioren, Jugend und Schüler soll der Umfang nicht weniger als fünfundsechzig (65) Zentimeter und nicht mehr als siebenundsechzig (67) Zentimeter betragen und der Luftdruck soll dreiundachtzig bis neunzig (83 – 90) Kilopascal (0,83 – 0,9 bar) betragen.

    ICF Reglement

    38. THE BALL

    The ball shall be round and shall have an air chamber with a self-closing valve. It shall be waterproof, without external strapping or any covering of grease or similar substance.
    The weight of the ball shall be not less than four hundred (400) grams and not more than four hundred and fifty (450) grams.
    For games played by Men, Under-21 Men and Master Men, the circumference of the ball shall not be less than sixty-eight (68) and not more than seventy-one (71) centimetres, and its pressure shall be 90-97 kPa (kilo pascals).
    For games played by Women, Under-21 Women and Master Women, the circumference of the ball shall not be less than sixty-five (65) and not more than sixty-seven (67) centimetres, and its pressure shall be 83-90 kPa (kilo pascals).

    Wasserballregeln der FINA

    Und der Text im offiziellen Wasserball-Reglement der FINA – dem internationalen Dachverbandverband der Schwimmer – lautet:

    WP 3 THE BALL

    WP 3.1 The ball shall be round and shall have an air chamber with a self-closing valve. It shall be waterproof, without external strapping or any covering of grease or similar substance.
    WP 3.2 The weight of the ball shall be not less than 400 grammes and not more than 450 grammes.
    WP 3.3 For games played by men, the circumference of the ball shall be not less than 0.68 metres and not more than 0.71 metres, and its pressure shall be 90-97 kPa (kilo Pascal’s)(13-14 pounds per square inch atmospheric).
    WP 3.4 For games played by women, the circumference of the ball shall be not less than 0.65 metres and not more than 0.67 metres, and its pressure shall be 83-90 (kilo Pascal’s) (12-13 pounds per square inch atmospheric).

    Wer hier von wem wie abgeschrieben hat, dürfte allen klar sein. Vielleicht ist die Wahl der FINA gar nicht mal so schlecht. Mikasa FTW.

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    Seit mehr als 10 Jahren spiele ich Kanupolo und verbinde mit dem Sport weit mehr als geworfene Tore oder gewonnene Partien. Kanupolo ist für mich die beste Sportart der Welt und fasziniert mich von der erforderlichen Athletik über die komplexe Technik bis zur Turnierorganisation und die Geschichten der Sportler und Offiziellen. Und genau um das geht es auf www.POLOSPOR7.com - Geschichten, Informationen sowie Ergebnisse, Bilder und Berichte über Kanupolo in Deutschland und der Welt.

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